Ausgedieselt: Aus Diesel- wird Elektrobus

Das Pilotprojekt PilUDE – Pilot zur Umrüstung von Dieselbussen auf Elektroantrieb – ist beispielhaft in Sachen Klimaschutz und Verkehrswende. Der erste umgerüstete Bus geht voraussichtlich Ende September im Bereich Niebüll auf die Straße. Weitere Busse folgen im Jahr 2021 im Raum Kiel.

Mehr zum Thema PilUDE

In unserem Newsletter "Bus im Blick" finden Sie weitere Beiträge zum Thema PilUDE in den Ausgaben 1/2020, 2/2019 und 1/2019. In der Pressemeldung von 11. Juni 2020 geht es um die Vorstellung des ersten fertig umgerüsteten Busses.

Das Projekt PilUDE ist ein Demonstrationsvorhaben mit dem Ziel, Dieselbusse auf einen batterieelektrischen Antrieb umzurüsten und damit einen Umstieg auf batterieelektrische Busse im öffentlichen Nahverkehr zu einem geringeren Preis und deutlich schneller, als bei der Anschaffung neuer E-Bus-Fahrzeuge, bei der es noch häufig Lieferschwierigkeiten gibt, zu ermöglichen.

Zukunftsweisende Entwicklung: Aus Diesel- wird Elektrobus

In Enge-Sande überreichte am 4. April 2019 Tobias Goldschmidt, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, den Förderbescheid in Höhe von 438.185 Euro an die Vertreter der Firmen GreenTEC Campus GmbH, I SEE Electric Busses GmbH und Autokraft GmbH.

Maik Knudsen ©Ein Blick in die Werkstatt

Drei Unternehmen, ein innovatives Erfolgsrezept!

Maik Knudsen ©

Der Verbund der drei Unternehmen leistet laut Staatssekretär Goldschmidt "einen wichtigen Beitrag zur Elektrifizierung des Personennahverkehrs": "Das Vorhaben, vorhandene Dieselfahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb auszustatten, ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung, sondern aufgrund des breiten Wandels im Nahverkehr auch eine Idee mit großem Marktpotenzial."

Mit Autokraft geht das größte Busunternehmen Schleswig-Holsteins bei diesem Schlüsselthema voran. "Die Förderung nachhaltiger Elektromobilität auf unseren Straßen ist gefragter denn je und ist für uns von großer Bedeutung", so Thorsten Hinrichs, Niederlassungsleiter Flensburg der Autokraft GmbH. "Eine zukunftsweisende Entwicklung, bei der wir sehr gerne mitwirken und großes Potenzial sehen."

Für die Umrüstung stellt die Tochtergesellschaft der DB Regio mit 750 Mitarbeitenden einen Dieselbus Modell MAN Lion City und einen MB-Sprinter Minibus der Flensburger Niederlassung zur Verfügung und arbeitet eng mit der Zentralwerkstatt zusammen. Zudem beschafft sich die Autokraft GmbH die benötigte Ladetechnik, um die Fahrzeuge anschließend in den Betrieb zu nehmen. Das spätere Einsatzgebiet nach erfolgreicher Umrüstung wird der öffentliche Personennahverkehr der Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sein.

Maik Knudsen ©Ausbau des Dieselmotors

Gestern Dieselmotor. Morgen Elektroantrieb.

Maik Knudsen ©

Die wesentlichen Elemente zur Umrüstung der Fahrzeuge entwickelt die im Juni 2018 gegründete I SEE Electric Busses GmbH in Zusammenarbeit mit einem technischen Kooperationspartner. Zu diesen Elementen zählen die Herstellung von Batteriepacks sowie die Entwicklung von Lademanagement und Antriebstechnik.

Die GreenTEC Campus GmbH wiederum übernimmt die Koordination der drei Verbundpartner und realisiert die Umrüstung der technischen Maßnahmen. Zudem testet GreenTEC die "frisch umgerüsteten" Elektrofahrzeuge im nichtöffentlichen Straßennetz und führt die notwendige TÜV-Abnahme durch.

Schneller und kostengünstiger

Die Produktion von Elektrobussen kann mit der starken Nachfrage nicht Schritt halten. So werden Fahrzeuge deutscher Hersteller frühestens Ende 2019 in nennenswerten Stückzahlen erwartet. Zwar gibt es serienreife Fahrzeuge internationaler Anbieter, jedoch haben auch diese Kapazitätsprobleme. Die daraus resultierende Marktsituation treibt die Preise für Elektrobusse in die Höhe, sodass diese dreimal so kostenintensiv sind im Vergleich zu konventionell angetriebene Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Der Unternehmensverbund aus Schleswig-Holstein strebt folgende Ziele an:

  • rund 50 % Kostenvorteil der Umrüstung eines Dieselbusses gegenüber einer Investition in einen neuen Elektrobus
  • Umrüstdauer von nur drei bis vier Wochen

Insgesamt 21 neue Arbeitsplätze bis 2020

"Dieses Entwicklungsprojekt schließt nicht nur eine Marktlücke, sondern trägt auch dazu bei, die Existenz der neu gegründeten I SEE Electric Busses GmbH am Standort Enge-Sande nachhaltig zu sichern und zu etablieren", erläutert WTSH-Geschäftsführer Dr. Bernd Bösche.

I SEE Electric Busses sieht bis 2020 einen Bedarf an 17 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Auch die GreenTEC Campus GmbH will bis zum Jahr 2020 jeweils zwei neue Arbeitsplätze im Bereich Forschung und Entwicklung schaffen. Bis 2022 ist ein Gesamtumsatz beider Unternehmen von 2,16 Millionen Euro angestrebt.

Unterstützt wird dieses Projekt im Zeitraum von 2014 bis 2020 mit Fördermitteln der Europäischen Union - Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) und Landesmitteln für die wirtschafts- und regionalpolitische Förderung in Schleswig-Holstein.